Samstag, 30. März 2013

Hommage an den Lenkungsdämpfer


Wer schon einmal die Vorderachse des Defenders betrachtet hat, dem kann er nicht entgangen sein: der Lenkungsdämpfer. Und selbst wer nur als Couch Potato auf den einschlägigen Defender-Seiten im Internet rumsurft kann es ebenfalls nicht entgangen sein, dass der Defender einen Lenkungsdämpfer hat, da der Zubehörhandel eine reichhaltige Auswahl an feinen Alternativen dafür anbietet, welche mit Lobgesängen angepriesen werden.

Jetzt kamen zwei Dinge zusammen: meine Abneigung gegen das alte, schwarze, verrostete Rohr unter meinem Defender, welches den Original-Lenkungsdämpfer darstellte und der unbezähmbare Drang, meinen Defender mit Hilfe von Nachrüstteilen zu besserer Fahrweise zu erziehen.

Nach tagelanger Recherche war das vermeintliche Optimum gefunden und zwar in einem neu vorgestellten Bilstein "Trekfinder" Lenkungsdämpfer in leuchtenden Gelb, welcher nahezu magische Verbesserungen versprach (und natürlich das teuerste Exemplar unter allen Lenkungsdämpfern darstellte).

Bestellt. Machte sich gut auf dem Küchenherd:


Aber wie macht er sich am Defender? Also wurde trotz arktischer Temperaturen das alte Teil in der Tiefgarage, mit meinem Sohn als Beleuchter, abgeschraubt:


Ist nicht schwer. Hier findet man eine schöne Einbauanleitung. Zwei Schrauben müssen gelöst werden. Links ist das hässliche, verrostete Originalteil; rechts das blitzende, teure Nachrüstteil. Vom Anfassen konnte man keinen Unterschied in der Wirkung feststellen. Beide gehen halt schwer.

Aber nachdem es dem Beleuchter inzwischen kalt und langweilig in der Tiefgarage war und Papa zu blöd war, um mit seinen altersschwachen Augen zu erkennen, dass die Stange des gelben Dämpfers mit einem Inbus gekontert werden muss, beschlossen wir ohne Lenkungsdämpfer die Wirkungsstätte zu verlassen. Ganz ohne.

Ja, und wie fährt sich das ohne Lenkungsdämpfer? Gut. Sehr gut. Besser als vorher. Das sehnlich vermisste Rückstellmoment der Lenkung war auf einmal wieder da, so dass man nach der Kurve das Lenkrad nicht zurückdrehen musste sondern es - wie bei jedem anderen, normalen Auto - sich selbst zurückdrehte.

Also auf zur Recherche. Was macht eigentlich so ein Lenkungsdämpfer?

Die erste Erkenntnis war: fast alle Autos, die nach dem VW Käfer konstruiert wurden, haben gar keinen Lenkungsdämpfer mehr. Aha.

Angeblich sollte jedoch der Lenkungsdämpfer - sofern vorhanden - folgende Probleme im Keim ersticken: Flattern der Lenkung im Hochgeschwindigkeitsbereich, Minderung des Einflusses von Bodenunebenheiten und Spurrillen auf die Lenkung, Dämpfen der Stösse auf die Lenkung beim schnellen Befahren von unwegsamen Offroad-Strecken.

Beim normalen Fahren auf normalen Strassen merkte ich keinen Unterschied. Also rauf auf die Autobahn und Vollgas. Kurven, Spurrillen, Unebenheiten. kein Unterschied. Auf den holprigen Feldweg: nichts. Kurvige Landstrassen: nichts.

Die Lenkung war brav und ruhig - wie schon vorher. Geradeauslauf: unverändert. Einfluss der Fahrbahnbeschaffenheit auf die Lenkung: nicht spürbar. Nur das Kurvenfahren machte mehr Spass, denn die Lenkung verhielt sich - wie schon aufgeführt - jetzt wie beim normalen Auto. Drehte sich selbst zurück. Und die Lenkung erschien leichtgängiger und präziser. Das ist viel wert (für mich).

Also bleibt es jetzt so, wie es ist und ich beobachte weiter. Wenn mir langweilig ist, schraube ich mal den gelben Bilstein Dämpfer rein.

Kommentare:

  1. Spannend, ein werksseitig verbautes Funktionselement ganz herauszunehmen. Ich bin auf die weiteren Erfahrungen gespannt und ob es Probleme macht oder eher gar nicht / positiv auffällt.

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  2. Ist der Dämpfer immer noch ab. Bin sehr gespannt.

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    1. Ja, ich fahre jetzt seit fast einem Jahr ohne Lenkungsdämpfer und vermisse ihn nicht.

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